Erdbeeren mit Flundergeschmack

Noch 3 Tage bis zu Bundestagwahl. In einer Sonderausgabe des IGEL, Zeitung der GRÜNEN JUGEND Niedersachsen, wird hier jeden Tag ein aktueller Artikel zur Wahl veröffentlicht. In diesem Beitrag erläutert Michael Reisner, warum wir keine Gentechnik in Lebensmitteln brauchen und wie Union und FDP den VerbraucherInnenschutz mit Füßen treten.

Paprika mit gefährlichem Beigeschmack

Vorfahrt für Arbeit!" lautet die Parole von Schwarz-Gelb in diesem Wahlkampf. Im Klartext: Wir machen alles, was die Konzerne von uns fordern, schließlich versprechen sie ja ständig neue Arbeitsplätze. Umwelt- und VerbraucherInnenschutz werden dabei plattgewalzt, die Risiken und Nebenwirkungen der Gentechnik werden ignoriert. Merkel und Westerwelle glauben blind den Versprechungen der Industrie und erliegen dem Wahn, jede neue Technologie, mit der Konzerne Geld verdienen wollen, sei automatisch ein Fortschritt. Wir GRÜNE gucken dagegen immer genau hin.

Entgegen der Propaganda von Gentech-Fans ist Gentechnik eine völlig neue Technologie, bei der Artgrenzen und die Barrieren der Evolution nach Gutdünken überschritten werden. Erdbeere mit Flunder, Ratte mit Mensch, Bakterie mit Pflanze - alles ist möglich. Mit der traditionellen Kreuzung innerhalb einer Art hat dies nichts mehr zu tun.

Die Folgen von Genmanipulation als massiver Eingriff in das Erbgut eines Organismus, der ein Produkt der Evolution in Millionen von Jahren ist, sind noch kaum erforscht. Das Zusammenwirken der Gene ist hochkompliziert, die Aktivierung bzw. Deaktivierung von Genen wird von Regulationsabschnitten in der DNS gesteuert. Was in diesem System passiert, wenn völlig fremde Gene in das Genom eingeschleust werden, ist nicht vorhersagbar. Zahlreiche von den Forschern unerwartete Eigenschaften von genmanipulierten Organismen sind allerdings deutliche Hinweise, dass oft nicht nur die gewünschte Wirkung auftritt. Giftige Stoffwechselprodukte und allergieauslösende Stoffe können die Folge sein. Ob diese Nebenwirkungen vor einer Zulassung des Genprodukts rechtzeitig erkannt werden, ist fraglich.

Als Lebewesen können sich genmanipulierte Organismen potentiell unkontrolliert ausbreiten und sind nicht rückholbar ins Labor. Welche Folgen dies für ein Ökosystem haben kann, zeigen zahlreiche historische Erfahrungen mit eingeschleppten Pflanzen aus anderen Erdteilen, die die heimische Pflanzen- bzw. Tierwelt verdrängen, manchmal bis zur Ausrottung. Zudem können sich die speziellen Eigenschaften der Gen-Organismen auf andere Lebewesen ausbreiten (z.B. durch Pollen oder die Übertragung über Viren oder Bakterien). Zahlreiche Auskreuzungen von eingeschleusten Genen auf einige mit Kulturpflanzen verwandte Wildpflanzen wurden bereits dokumentiert.

Leckere Tomaten ohne Gentechnik

Entgegen ihrer Versprechungen und vorgeheuchelten Ziele im Dienste der Menschheit hat die Gentech-Industrie vor allem Geschäfte und Profit im Sinn. Dies zeigt sich allein schon darin, dass ein großer Teil an Forschungsprojekten sich damit beschäftigt, Kulturpflanzen gegen aggressive Unkrautvernichtungsmittel (Totalherbizide) resistent zu machen, die alle anderen grünen Pflanzen abtöten. Dadurch kann der Bauer/die Bäuerin alle Beikräuter mit einem Schlag vernichten - allerdings nur, wenn er zu der Genpflanze das passende- und vom gleichen Konzern hergestellte- Totalherbizid verwendet. Die Chemiekonzerne, welche das Geschäft mit den Genpflanzen kontrollieren, verdienen dadurch doppelt. Die Abhängigkeit der Bauern/Bäuerinnen und ihre Aufwendungen für Saatgut (Lizenzgebühren für den Anbau) und Pflanzenschutz steigen. Daher ist Gentechnik nur für Großgrundlandwirte profitabel. In der Praxis funktioniert der (klinisch) "saubere" Acker allerdings nicht, wie der massenhafte Anbau von Genpflanzen unter anderem in den USA und in Südamerika gezeigt hat. die LandwirtInnen müssen genauso viel oder sogar mehr spritzen wie zuvor. Zusätzlich treten zunehmend herbizidresistente "Superunkräuter" auf, welche die Resistenz der Kulturpflanze in ihr Erbgut aufgenommen haben. So müssen weitere Gifte zusätzlich gespritzt werden, um auch mit diesen Wildpflanzen fertig zu werden. Die Giftspirale dreht sich immer weiter, während die Profite der Chemieriesen steigen. Gentechnik ist wahrlich eine clevere Geschäftsidee! Eine ähnliche Problematik besteht bei dem Versuch, Pflanzen mittels eines Bakterium-Gens (Bacillus thuringensis) Insektengift selber produzieren zu lassen. Auch hier laufen evolutionäre Prozesse so schnell ab, dass sehr bald Resistenzen in den Schädlingspopulationen auftreten. Oft funktioniert diese Methode des Pflanzenschutzes noch nicht einmal am Anfang, weil die Giftkonzentrationen in der Pflanze nicht ausreichen.

Gentechnik führt also zu einer weiteren Industrialisierung der Landwirtschaft mit noch mehr Chemie, einer höheren Abhängigkeit der LandwirtInnen und noch mehr Großbetrieben mit höherem Energieeinsatz und weniger Arbeitsplätzen. Die Vielfalt an Wildpflanzen und verschiedenen Kultursorten auf unseren Äckern, die schon jetzt klein ist, wird noch weiter verringert. Dieser Prozess ist besonders in Entwicklungsländern gravierend, wo noch ein großer Reichtum an regionalen Kultursorten vorhanden ist, die gut dem jeweiligen Klima und Boden angepasst sind. Damit nimmt die Gefahr von Missernten und Hungerkatastrophen zu. Kein Wunder, dass es bereits zahlreiche Nichtregierungsorganisationen gibt, die gegen diese Form von "Entwicklung" kämpfen.

Zwar gibt es bei den GenforscherInnen noch andere Ziele wie die Erhöhung von Inhaltstoffen, Verbesserung des Geschmacks, Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit und versalzte Böden. Bisher gibt es in diesem Bereich aber kaum brauchbare Ergebnisse bzw. haben die VerbraucherInnen keinen Nutzen davon, da eventuelle Kostensenkungen durch Produktivitätssteigerungen in die Profite der Unternehmen fließen. Für die Lösung der meisten Probleme gibt es bessere und billigere Wege als Gentechnik.

Ernte von Genmais in den USA

Trotz all dieser Risiken und negativen Folgen von Gentechnik in der Landwirtschaft beten CDU/CSU und FDP die Behauptungen der PR-Abteilungen von Bayer und Monsanto nach. Auch bei allen wichtigen Fragen des Umwelt- und VerbraucherInnenschutzes wie Kennzeichnungspflicht für Produkte mit Gen-Bestandteilen und Sicherheitsauflagen beim Anbau standen beide Parteien immer auf der Seite der Industrie. Das rot-grüne Gentechnikgesetz wurde von Schwarzgelb blockiert, weil es das Haftungsrisiko für Schäden durch den Anbau von Genpflanzen (wie auch in anderen Bereichen üblich) den VerursacherInnen auferlegte. Im Klartext: Merkel und Westerwelle wollen uns als Versuchskaninchen missbrauchen und uns dafür auch noch selber für Schäden zahlen lassen, nicht etwa die Industrie und solche LandwirtInnen, die sich auf diese Risikotechnologie einlassen. Mit der Beseitigung des Verursacherprinzips würde eine wirksame Barriere für den kommerziellen Anbau von Genpflanzen in Deutschland im großen Stil fallen, weil die Risiken dann auf andere, nämlich den Staat, abgewälzt werden können. Für das Überleben einer nachhaltigen bäuerlichen Landwirtschaft müssen wir Widerstand gegen diese Pläne zeigen - mit Wahlzettel, Einkaufskorb und Aufklärung der VerbraucherInnen und LandwirtInnen.

Links zu dem Thema

Datenbank von Transgen über gentechnische veränderte Lebensmittel

Seite des Informationsdienstes Gentechnik für eine gentechnikfreie Zukunft

Aktion und Informationen von Greenpeace zu Gentechnik

Michael Reisner
















Michael Reisner, 29, war lange Zeit in der GRÜNEN JUGEND aktiv und ist momentan im Parteirat des Kreisverbandes Hannover-Stadt.

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