Bäume brauchen Solidarität

  

In der nächsten Ratssitzung wird voraussichtlich die Baumschutzsatzung Eilvese fallen, so wie es der Ortsrat angeregt hatte. Große Bäume stellen in unserem Neustädter Land nicht nur eine Augenweide und wichtige Biotope dar, sondern bestimmen durch Schutz vor Wind und Sonne auch maßgeblich ein angenehmes und gesundes Mikroklima in den Siedlungen. Große Bäume machen unsere Dörfer und Städte erst lebens- und liebenswert. Wie sind die Erfahrungen mit der Baumschutzsatzung? Nach Aussage der Verwaltung gibt es in Eilvese noch etwa 100 ortsprägende große Bäume. In drei gut dokumentierten Jahren 2006-2008 gab es dort 19 Fällanträge. 8 wurden abgelehnt und 11 gegen Auflage einer Neupflanzung gestattet. Ohne Baumschutzsatzung wären in den nächsten Jahren weitere schwere Verluste auch durch nachgeholte Fällungen absehbar. Selbst mit der Baumschutzsatzung wäre der Baumbestand in Eilvese langfristig kaum gesichert. Angesichts dieser Aussichten muss die Begründung des Eilveser Ortsrates für ihre Initiative naiv erscheinen, das fortgeschrittene Umweltbewusstsein der Bürger würde den Baumbestand schon sichern. Was macht alte Bäume unbeliebt? Bäume kosten den Besitzer Geld und Mühe und benötigen viel Platz. Der Nutzen kommt der Gemeinschaft zugute. Es gehört eine Portion Gemeinschaftssinn dazu, einen großen Baum zu dulden. Mancher ist mit der Beseitigung des Laubs geplagt. Die kleinen Grundstücke der Neubaugebiete bieten gar keinen Raum für große Baumkronen. Für einen wertvollen stabilen Baumbestand wären also neben dem Erhalt der Schutzsatzung weitere Maßnahmen zu fordern. Laubaktionstage der Dorfgemeinschaft im Herbst könnten die Baumbesitzer entlasten. Neuanpflanzungen anlässlich von Geburten oder Eheschließungen, wie es mancherorts Tradition ist, könnten eine emotionale Bindung an Bäume fördern. Ortsräte und Verwaltung sollten gemeinsam Standorte für strategische windschützende Gehölze ( vielleicht im Rahmen des ILEK) entwickeln, wie sie z.B. in Schneeren als Brinke bestehen. Bäume sind Geschenke an folgende Generationen. Wir haben den Nutzen der Bäume, die unsere Vorfahren gepflanzt haben. Geben wir unseren Kindern und Enkeln nicht weniger.

Godehard Kass