Grüne für einen sinnvollen Umgang mit Biogasanlagen

21.06.2008 -

Es ist nicht alles "Bio" wo "Bio" draufsteht

Die Regionsverwaltung feiert dieses Jahr als das Klimaschutzjahr 2008. Ein erfreulicher Schritt - die Idee des Klimaschutzes hat sich auf politischer Ebene durchgesetzt. Solar-Meister Neustadt nimmt dabei eine bedeutende Vorreiterrolle ein. Besonders mit den Windkraftanlagen wird hier in Neustadt gepunktet. Bei der Verwendung umweltschonender Alternativtechniken sollte aber genauer hingesehen und differenziert werden.

Um knapp werdende fossile Energieträger (nicht regenerative Energieträger), deren Nutzung die Atmosphäre belastet, zu vermeiden, soll verstärkt auf "Erneuerbare Energien" gesetzt werden. Die Windkraft und Sonnenenergienutzung mittels Fotovoltaikanlagen stellt die erste Wahl dar, denn die Energien Wind und Sonne brauchen nicht ersetzt werden, sie werden praktisch gar nicht verbraucht. Windkraft und Sonne sind aber leider nicht ständig nutzbar, und so wurden weitere Konzepte zur umweltschonenden Energieerzeugung entwickelt. Kombikraftwerke sind hier als Beispiel zu nennen. Die vorgenannten Techniken werden dabei mit Wasserkraft- und Biogasanlagen kombiniert. Nachwachsende Rohstoffe für die Gasproduktion werden dazu bevorratet und in schwachen Energiezeiten vergast.

Biogasanlagen finden aber auch als kleine eigenständige Anlagen ihr Einsatzgebiet. So war Anfang dieses Jahrzehnts ein Biogaskraftwerk im Gewerbegebiet Ost geplant aber am Einspruch der anliegenden Geschäftsleute gescheitert. Jetzt wird ein Biogaskraftheizwerk in Hagen errichtet. Der Clou dieser Anlage sollte die Verbindung mit einer Anlage zur Herstellung von Holzpellets für spezielle Ofenheizungen sein. Mit der von der Biogasanlage produzierten Prozesswärme sollte die Pelletproduktion betrieben werden. Die Errichtung der Pelletproduktionsanlage wurde aber nicht in Angriff genommen. Damit stellt sich die Frage des eigentlichen Konzepts und wie die Biogas-Energie in Hagen genutzt werden soll.

Für die Erzeugung von Biogas werden landwirtschaftliche Produkte, vornehmlich Mais aber auch pflanzliche Abfälle sowie auch tierische Abfälle, von Gülle bis Schlachtabfällen zu Gas vergoren. Mit dem so erzeugten Gas lassen sich kleine Turbinen antreiben, die wiederum Strom erzeugen. Der Strom wird normalerweise ins Stromnetz eingespeist. Für diesen Strom werden höhere (subventionierte) Preise gezahlt als auf dem Strommarkt üblich. Biogasanlagen lassen sich unter verschiedenen Aspekten beurteilen.

Für die Landwirtschaft ergibt sich eine neue Einnahmequelle. Wurden über die letzten Jahrzehnte hinweg Anbauflächen stillgelegt und die Landwirtschaft für kleinere Betriebe immer unrentabler, so können für den Anbau biogasgerechter Pflanzen die stillgelegten Äcker wieder verwendet, also rekultiviert, werden. Dies ist gut am Beispiel Schneeren zu beobachten,wo ehemalige Brachflächen für die Versorgung einer Biogasanlage wieder intensiv landwirtschaftlich genutzt werden. Die Tier- und Pflanzenwelt befindet sich hier wieder auf dem Rückzug. Die Rohstoffversorgung für Biogasanlagen ist besonders lukrativ, weil beim Anbau biogasgeeigneten Pflanzen nicht so enge Kriterien in Bezug auf Schadstoffarmut angewendet werden brauchen. Der verstärkte Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger liegt nahe. Diese wandern aber in das Grundwasser ab. Die Ländereien, besonders das Grundwasser, werden wieder stärker durch Chemikalien belastet.

Die Anwendung von Biogas spart beim Verbrauch der Ressourcen Öl, Erdgas und Kohle; die sind bekanntlich begrenzt. Bei diesen Einsparversuchen ist aber wohl eher die Unabhängigkeit von den Erdöl- und Erdgaslieferanten die treibende Kraft auf der Suche nach Ersatz. Jede alternativ erzeugte Energie ist ein Stück Unabhängigkeit vom Rohstoffweltmarkt. So kommen auch die Biogasanlagen gerade recht.

Schaut man sich das Für und Wieder der Biogasenergie an, so lässt sich erkennen, die Biogasanlagen haben im Wesentlichen Vorteile für den Rohstofflieferanten (Landwirtschaft), Betreiber der Biogasanlagen (Sonderpreis für Strom) und den Staat (Unabhängigkeit). Der Naturschutz bleibt auf der Strecke. Böden und Wasser werden wieder mehr belastet. Der letzte Zipfel Acker wird in Bälde "reanimiert" werden.

Die Grünen raten deshalb zu einem sehr vorsichtigen und wohlüberlegten Einsatz von Biogas. In der Anfangszeit der ersten Biogasanlagen-Gründungen wurden die Anlagen meist unter anderem Aspekt gesehen. Es wurde davon ausgegangen, bereits angefallene Pflanzenabfälle und tierische Abfälle wie Gülle einer sinnvollen Entsorgung zukommen zu lassen. Dieser Sinn von Biogasanlagen hat sich mittlerweile in sein Gegenteil verkehrt, wo nun ein regelrechter landwirtschaftlicher Produktionsboom geschaffen wird, der das Letzte aus den Böden herausholen wird.

Auch für Neustadt bedeutet dies, jetzt nicht euphorisch auf jede alternative Energie aufzuspringen, die sich bietet. Bei der Planung von Biogasanlagen sollte zuerst betrachtet werden, wo die Rohstoffe für den Betrieb der Anlagen herkommen . Wird hier wieder der Landbau intensiviert und in welchem Maße? Grenzen und Regeln müssen geschaffen werden.

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