Grüne um Neustadts Einzelhandel besorgt

21.06.2008 -

Ist das nun vergnüglich für die Neustädter oder ein Ärgernis? Aldi will sich innerhalb des Gewerbegebiets an der Justus-von-Liebig-Straße verändern. Das hatte der Discounter in Absprache mit Famila vor fünf Jahren schon einmal vor. Die Verwaltung wollte dies prüfen, und das Ansinnen ist dann irgendwie in Vergessenheit geraten. Der Parkplatz von Famila ist wohl doch ein wenig groß geraten, da passt noch ein kleiner Aldi hin. Die Käufer sollen dieses Kaufvergnügen eines ausgesprochen vielfältigen Angebots reichlich nutzen; eine Poststelle und Apotheke sind schon da, fehlt eigentlich nur noch eine Arztpraxis. Der Einkaufs-Reiseverkehr aus der Kernstadt und Umgebung ließe sich also noch ein wenig steigern. Die Verwaltung wollte keinen Leerstand des von Aldi vorher genutzten Gebäudes dulden und forderte den Nachweis einer "innenstadtverträglichen Nachnutzung". Das bedeutet letztlich, die Verwaltung fürchtet weitere Abwanderungen aus dem Kern in die dann frei werdende Räumlichkeit des Ex-Aldi; mit Recht!... schimpfen die beiden Vertreter der Neustädter Gewerbetreibende jetzt im Gleichklang. Wurde nicht kürzlich die Erstellung eines Einzelhandelsgutachtens von der Neustädter Politik beschlossen? Sollen damit nicht der Bedarf und die Einzelhandelskapazitäten erfasst und eine sinnvolle Standortsuche betrieben werden, nicht nur für die Kernstadt sondern auch für die Ortsteile? Die Grünen verstehen nicht, warum große Teile des Ortsrats der Kernstadt einer Bebauungsplanänderung, und insofern einer Aldi-Umsiedlung, spontan zugestimmt haben. Haben nicht die gleichen Politiker im Stadtrat für die Erstellung eines Einzelhandelsgutachten gestimmt? Wozu jetzt der Sinneswandel? Natürlich muss sich Neustadt über seine Einzelhandelsattraktivität Gedanken machen, nachdem in den Nachbarstädten Soltau oder Garbsen Mammutprojekte entstehen, die die Einkaufseuros zusätzlich aus Neustadt herausziehen werden. Aber trotzdem, immer schön auf dem Teppich bleiben. Diejenigen, die im vorigen Jahrhundert am meisten das Gewerbegebiet forciert haben und die Ansiedlung von Kleingewerbe wollten, schimpfen jetzt am heftigsten über die Politik. Komisch, wie schnell man vergisst... Um den Aldi-Umzug zu ermöglichen, ist eine geringfügige Änderung des Bebauungsplans im Bereich Famila nötig. Da im jetzigen Moment ein Umzug von Aldi wenig sinnvoll erscheint, sollte die Verwaltung prüfen, ob eine Veränderungssperre hinsichtlich des Bebauungsplans möglich wäre. Wenn ja, könnten weitere Entscheidungen bis nach Fertigstellung des Einzelhandelsgutachtens verschoben werden. Die Grünen erwarten weiterhin vom Einzelhandelsgutachten Vorschläge über die Möglichkeiten eines sinnvollen Ausbaus des Neustädter Einzelhandels. Die Politiker jedweder Couleur sollten ein wenig abwarten.

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