Sonntagsreden und die Wirklichkeit

02.06.2009 - Existenz der Stadtbibliothek Neustadt sichern!

Alle Welt spricht in Sonntagsreden von Bildung als einem politischen Auftrag. Alle Sonntagsredner wissen, dass Bildung ein teures Gut ist, das als einzig sichere Investition die Grundlage der Zukunft der nächsten Generation bildet. Nur wenn es darum geht, Mittel dafür bereitzustellen zucken alle mit den Schultern und verweisen auf andere. Neustadt verfügt über eine funktionierende Bibliothek, deren Personal trotz ihrer geringen Mittel dem Bildungsauftrag für die Stadt Neustadt nachzukommen versucht. In vielen Bereichen kann sie auf Erfolge verweisen in ihrem Bemühen, Kinder und Erwachsene zum Lesen zu motivieren bzw. ihnen den Zugang zu Literatur und Wissen über andere Medien anbieten. Doch die Bibliothek möchte mehr. In ihrer Entwicklungsstudie über die Stadtbibliothek bis zum Jahre 2012, die auch den politischen Gremien zur bisherigen Meinungsfindung vorlag, wird eine ausgiebige Analyse der Demografischen Entwicklung der Neustädter Bevölkerung vorgelegt. Besonders bei der Eingliederung der Menschen mit Migrationshintergrund könnte die Stadtbibliothek ihre Bildungsarbeit bedeutend intensivieren. Diese Studie, aus der ein erweiterter Finanzbedarf eindeutig hervorgeht, wird denn auch von der Mehrheitsgruppe artig zur Kenntnis genommen dann aber nicht weiter in deren Überlegungen einbezogen. Stattdessen werden Zahlenspielchen präsentiert: Der Anteil der städtischen Haushaltsmittel am Zukauf von Medien, sprich Büchern, soll an die Einnahmen der Bibliothek gekoppelt werden. D.h. Die Bibliothek muß erst mehr Bücher ausleihen, dann gibt`s auch mehr Geld - dass bei steigenden Beschaffungskosten und festgezurrtem Gebührenaufkommen. Ihren Aktionsradius kann sie aber nur mit mehr Geld erweitern. Hier soll mit einer gehörigen Portion Zynismus der Bibliothek die Geschäftsgrundlage entzogen werden! Die Mehrheitsgruppe trumpft weiter mit einem Vorschlag, der vordergründig Vertrauen schaffen soll, nämlich einer Personal-Bestandsgarantie bis 2012. Ein Vorschlag, der bisher in der Neustädter Verwaltung unbekannt war. Die zugesagte Bestandssicherung soll wohl ein ganz neues Element der Verwaltungssteuerung darstellen und wirkt doch eher bedrohlich als motivierend für die Beteiligten. Weiterhin will der Bürgerblock den Versuch starten, ein neues Gebäude für die Bibliothek zu finden. Ebenfalls bis 2012. Anders gesagt die Bürgerlichen wollen sich bis dahin eigentlich nicht mit der Bibliothek beschäftigen. In der Bibliotheksstudie wird der Vorschlag gemacht, pro Einwohner einen Euro als Finanzierung für die Medien der Bibliothek zu gewähren. Dies halten die GRÜNEN zur Umsetzung des Bildungsauftrags für einen sinnvollen Vorschlag. Die GRÜNEN wollen darauf hinwirken, einen Beschluss zur schrittweisen Umsetzung dieses Vorschlags durchzusetzen. In Zeiten krisenbedingt knappen Geldes, wo aber gleichzeitig Milliarden Euro für riesige Bau-Beton- Projekte ausgegeben werden, gerät der Bildungsauftrag einer kommunalen Bibliothek schnell unter die Räder, denn für Einsparungen bleibt der Kommune wenig Spielraum; da kommt mancher ins Grübeln, wo vielleicht der Geldhahn etwas zugedreht werden könnte. Die Bibliothek in Neustadt könnte schnell zum Spielball übermütiger Bemühungen bei der Suche nach Einsparpotenzialen werden; sie ist aufgrund eines erhöhten Finanzbedarfs bei gleichzeitiger Budgetkürzung besonders gefährdet. Hier wollen die Grünen gegensteuern.

Dieter Strege, 02.06.2009

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