Freiflächen für Graffiti-Sprayer in Hannover - da kommt Freude auf

  

Als am Freitag Abend die Podiumsdiskussion zum Thema "Wem gehört die Stadt” - Graffiti und Graffiti-Scene in Hannover, endete, gab es Anlaß zur Hoffnung für Ingrid Wagemann, jugendpolitische Sprecherin von Bündnis 90 / den Grünen in Hannover: sämtliche jugendpolitischen Sprecher der im Rat vertretenen Fraktionen sprachen sich grundsätzlich dafür aus, Sprayern an geeigneten Orten in der Stadt freie Flächen zum Üben, Ausprobieren und Gestalten zu überlassen. Diese alte grüne Forderung ist bereits von 1993 und wurde letztmals als Antrag formuliert 1998, um der Kriminalisierung von jugendlichen Graffiti-Sprayern entgegenzuwirken. Heute besteht große Einigkeit, daß die legale Möglichkeit das illegale Sprayen nicht verhindern, wohl aber minimieren kann. "Und je weniger Jugendliche mit hohen finanziellen Belastungen aus Geldstrafen und Schadensersatzansprüchen in ihre Zukunft starten, um so besser für sie und für uns alle”, meint Ingrid Wagemann. Für die Sprayerinnen und Sprayer geht bei einer Freigabe von Flächen eine alte Forderung nach Akzeptanz und Anerkennung ihrer Kultur und Ausdrucksweise in Erfüllung.

Damit diese geplanten Freiräume weder von Sprayern noch von Hausbesitzern als Trainingslager und Basis für mehr illegales Sprayen falsch verstanden werden, schlägt Ingrid Wagemann eine Befristung des Projektes vor: "Sollten die Zahlen zum illegalen Sprayen im Laufe eines Jahres in die Höhe gehen statt weiter zu sinken, wird der Ansatz aufgegeben und die Freiflächen sind weg! Damit würden die Sprayerinnen und Sprayer für sich und ihre Scene eine große Chance vertun.”

Und noch etwas wurde an diesem Abend von Ingrid Wagemann festgestellt: Graffiti-Sprayereien fallen uns störend ins Auge und beeinträchtigen unser Wohlgefühl im städtischen Miteinander. Inwieweit zum Beispiel Reklamewände und ihre Botschaften, nackte Frauen auf Titelblättern an Kiosken und das Meer der parkenden Autos unser Wohlbefinden beeinträchtigen, hat wohl weniger mit der Schönheit derselben und mehr mit schlichter Gewohnheit zu tun.

Zusatzinformation: Einigkeit bestand zwischen Scene und Podium in weiteren Punkten: illegales Sprayen ist ein Straftatbestand, der entsprechend sanktioniert wird; Jugendschutz und Polizei haben mit ihren jeweils unterschiedlichen Aktivitäten wesentlich dazu beigetragen, daß die Zahl der Anzeigen in den letzten beiden Jahren um 40 % gegenüber 2002 zurück gegangen ist; zur CDU-Landeslinie, das Strafmaß für illegales Sprayen bundesweit auf Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren zu erhöhen, hat sich die Stadt-CDU an diesem Abend ausgeschwiegen.

Personen:
>Ingrid Wagemann
Gremien:
>Stadtratsfraktion