Linden-Limmer unterstützt Radio Flora

23.03.2007 - Radio Flora ist ein wichtiges Stück lokaler Medienkultur und muss erhalten bleiben. Das findet auch der Bezirksrat Linden-Limmer. In der letzten Sitzung des Bezirksrates wurde darum diese Resolution für Radio Flora einstimmig angenommen.

Resolution an die Hauptversammlung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt

Verlängerung der Lizenz für Radio Flora - Neues Konzept verdient Chance

Radio Flora hat sich als Verein 1993 gegründet und ist nach entsprechender Änderung des Landesmediengesetzes im Juni 1996 in den Räumen des Ökologischen Gewerbehofes Linden GmbH (Faust-Gelände) auf Sendung gegangen. Im Jahr 2002 erhielt Radio Flora zuletzt eine Sendelizenz für sieben Jahre. Über die Verlängerung der Lizenz im Jahr 2009 entscheidet nun die Hauptversammlung der Landesmedienanstalt (NLM) am 22. März 2007. Der Fachausschuss der NLM hat sich allerdings "hinter verschlossenen Türen [nach] eine[r] heftige[n] Diskussion" (HAZ, 7. März 2007) bereits gegen eine Verlängerung ausgesprochen. Grund dafür: Laut einer Emnid-Umfrage aus dem Jahr 2006 verfügt Radio Flora mit nur 0,3 Prozent über die wenigsten Stammhörer im Vergleich zu den zehn anderen Vollfrequenz-Bürgerradios in Niedersachsen. Für Radio Flora arbeiten 15 Mitarbeiter und neun Auszubildende, dem Verein gehören 560 Mitglieder an, die 29.000 Euro Beitrag im Jahr zahlen. Alle eingeworbenen Mittel belaufen sich jährlich auf rund 200.000 Euro. Radio Flora ist damit der größte Verein unter allen niedersächsischen Bürgermedien.

Seit seiner Gründung hat der "Freundeskreis Lokal-Radio Hannover e.V." (Flora) ein Bürgerradio auf- und ausgebaut, das die Auflagen aus dem Landesmediengesetz für die so genannten nichtkommerziellen Lokalradios (NKL) zum Teil mehr als erfüllt: Radio Flora vermittelt Medienkompetenz, bietet jedem Interessierten die Möglichkeit der Partizipation und verbindet Menschen aller Altersstufen und unterschiedlichster Herkunft. Radio Flora verfügt über ein professionelles Schulungsangebot, schult in den eigenen Räumen, arbeitet aber auch mit Kindern und Jugendlichen in Schulen (z.B. Radio AG in der Albert-Schweitzer-Schule) und Gemeinden (z.B. das Projekt Stadtteilradio in der Corvinuskirchengemeinde in Ledeburg-Stöcken) zusammen. Mehr als 300 Kinder, Frauen und Männer sind aktuell bei Radio Flora eingebunden und nehmen die Möglichkeit wahr, selbst Radio zu machen. Gerade die Senioren sind mit drei Redaktionen und 15 aktiven Mitgliedern stark vertreten. Die Kinderredaktion geht regelmäßig mit Radio Flo auf Sendung.

Vielfältigkeit und Integration sind die Stärken von Radio Flora. Und gleichzeitig auch seine Schwäche. Denn mit den Jahren litt die klare Struktur des Programms. Keine Frage: Radio Flora muss hörbarer werden. Radio Flora hat selbst sofort auf das Umfrage-Ergebnis Ende 2006 reagiert und innerhalb weniger Wochen bis Mitte Januar 2007 eine Programmreform entwickelt, die die 560 Mitglieder bereits fast einstimmig beschlossen haben. Das neue Konzept garantiert ein übersichtliches Angebot zwischen 7 und 17 Uhr. Drei Magazinformaten folgen nachmittags lokalpolitische Sendungen. Stündlich im Wechsel gibt es lokale und überregionale Nachrichten zu hören. Und auch personalpolitisch sind Weichen gestellt: Radio Flora zahlt künftig u.a. Honorare an Moderatoren und bindet sie damit in das Konzept besser ein, um auch dadurch Qualitätsstandards zu setzen und einzuhalten. Übersichtlicher, klarer und trotzdem bürgernah - so präsentiert sich der Relaunch. Die rasche Entwicklung und Einigung auf das neue Konzept innerhalb kürzester Zeit zeigt, dass Radio Flora flexibel und professionell mit neuen Herausforderungen umzugehen versteht.

Der Bezirksrat bittet daher die Hauptversammlung der NLM, den Neustart Radio Floras zu honorieren und dem Bürgerradio die Lizenz über das Jahr 2009 hinaus zu verlängern.

Die Hauptversammlung der NLM wird aufgefordert, das Projekt Radio Flora nicht an einer Emnid-Umfrage scheitern zu lassen, die sich auf die Quantität, nicht aber auf die Qualität der nichtkommerziellen Lokalradios bezog. Ob Berichte vom Naherholungsgebiet Steinhuder Meer, Nachrichten aus dem Landtag oder dem Rat der Stadt, die Sendung Floretta für Frauen - Radio Flora ist bunt, hat für jeden etwas zu bieten und schaut sich Entwicklungen in Niedersachsen aus anderen Perspektiven an als die übrigen kommerziellen und öffentlich-rechtlichen Radiosender. Radio Flora ist Journalismus im eigentlichen Sinn: Es gibt denen einen Stimme, die sonst darüber nicht verfügen. Radio Flora leistet damit einen wertvollen Beitrag zur Stärkung der Demokratie und zur Prävention und auch Lösung von Konflikten. Radio Flora setzt darüber hinaus Akzente, die in der Radiolandschaft der Region Hannover sonst nicht zu finden sind.

Die Hauptversammlung der NLM wird auch aufgefordert, keine politisch motivierte Entscheidung gegen Radio Flora zu fällen, sondern verantwortlich mit dem Auftrag des Landesmediengesetzes umzugehen.

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