Umbenennung der Elkartallee in Hilde-Schneider-Allee

04.02.2010: Gemeinsame Pressemitteilung von Bündnis 90/Die Grünen und SPD im Bezirksrat Südstadt-Bult

Nach eingehenden Diskussionen über Leben und Werk von Karl Elkart sind die Bezirksratsfraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und SPD zu der Erkenntnis gekommen, dass die Elkartallee in Hannovers Südstadt in Hilde-Schneider-Allee umbenannt werden soll.

Nach den "Grundsätzen und Verfahren für die Benennung von Straßen, Wegen und Plätzen" soll eine Umbenennung erfolgen, "wenn eine Benennung einer Persönlichkeit im Nachhinein Bedenken auslöst, weil diese Person Ziele und Wertvorstellungen verkörpert, die im Widerspruch zu den Grundsätzen der Verfassung, der Menschenrechte bzw. einzelner für die Gesamtrechtsordnung wesentlicher Gesetze steht."

Karl Elkart sind schwerwiegende persönliche Handlungen und die aktive Mitwirkung an einem Unrechtssystem zuzuschreiben. Dies betrifft vor allem seine aktive Beteiligung an der so genannten Arisierung jüdischen Eigentums und seine Behandlung von kriegsgefangenen Zwangsarbeitern. Karl Elkart war nach 1933 förderndes Mitglied der SS und trat nach seiner Wiederwahl als Stadtbaurat 1937 in die NSDAP ein.

Über die führende Rolle Karl Elkarts an der NS-Verfolgungspolitik schreibt Rüdiger Fleiter: "Konnten sich Verwaltungsmitarbeiter der NS-Politik gegenüber verweigern? Die Untersuchung der Stadtverwaltung Hannover hat gezeigt, dass im Alltag immer wieder Handlungsspielräume für die Beamten, Angestellten und Arbeiter vorhanden waren. Auch Elkart verfügte über diese Spielräume. Er nutzte sie erkennbar nicht im Sinne der Opfer, im Gegenteil: Er suchte jede Gelegenheit, jüdisches Eigentum in den Besitz der Stadt zu überführen; er beteiligte sich an Diskriminierungsmaßnahmen gegenüber Juden, die selbst durch die NS-Gesetze nicht gedeckt waren".

Dies lässt unseres Erachtens nur einen Schluss zu: Trotz aller unzweifelhaften Verdienste um die städtebauliche Gestaltung der Stadt Hannover ist Karl Elkart nicht geeignet als Namensgeber für eine Straße, einen Weg oder einen Platz in Hannover zu fungieren.

Die Fraktionen von Bündnis90/Die Grünen und SPD fordern den Rat der Landeshauptstadt Hannover auf, die bisherige Elkartallee in Hilde-Schneider-Allee umzubenennen.

Hilde Schneider, eine evangelische Christin jüdischer Herkunft, trat am 2. Januar 1935 ihren "Dienst" als Vorprobeschwester im Henriettenstift an. Ihr Krankenschwesternexamen konnte sie dort nicht mehr ablegen. Am 15. Dezember 1940 wurde Hilde Schneider mit tausend Jüdinnen und Juden aus Hannover nach Riga deportiert. Sie überlebte das Ghetto Riga und die Konzentrationslager Thorn und Kaiserwald, kehrte nach der Zerschlagung der Nazi-Herrschaft nach Deutschland zurück, studierte Theologie und wirkte als Seelsorgerin für so genannte Randgruppen. Hilde Schneider ist im Januar 2008 gestorben.

Zugehörige Dateien:
Bezirksratsantrag SPD und Bündnis 90/Die Grünen Südstadt-BultDownload (125 kb)

Personen:
>Ekkehard Meese
>Stephan Beins

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