Atom und Kohle: Es geht auch ohne

02.08.2008 - Grüne Isernhagen machen mit bei der Informations-Kampagne gegen die Atom-und Kohlelobby: Eine Energieversorgung ohne Atomenenergie und neue Kohlekraftwerke in Deutschland ist nicht nur nötig sondern auch machbar. Wie sich wirksamer Klimaschutz und sichere Energieversorgung zugleich erreichen lassen, zeigt die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen mit ihrem "Energiekonzept 2.0"

Energiekonzept 2.0

40 Prozent CO2-Reduktion bis 2020 sind machbar

Die internationale Klimaforschung sagt übereinstimmend: Die Erderwärmung muss auf höchstens 2 Grad begrenzt werden, um die schlimmsten Folgen einzudämmen. Dafür muss bis 2050 die CO2-Produktion in den Industriestaaten um 80 Prozent reduziert werden. In Deutschland steht jetzt ein drastischer Umbau der Energieversorgung an. Er muss bis 2020 eine CO2-Reduzierung um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 erbringen um den deutschen Beitrag zum 2 Grad-Ziel zu leisten.

Die jüngsten Energiepreiserhöhungen zeigen, dass wir uns so schnell wie möglich von den schwindenden Energieressourcen unabhängig machen müssen. Nur die Sonnenenergie (und alle mittelbar von ihr produzierten erneuerbaren Energien wie Wind, Wasser und Geothermische Energie) steht quasi unbegrenzt und kostenlos zur Verfügung.

Die Energiewirtschaft arbeitet gern mit Angaben über die Primärenergieerzeugung. Dass bis zu 70 Prozent der erzeugten Energie ungenutzt an die Umwelt abgegeben wird, verschweigt sie. Stattdessen rechnet sie die gesamte verschwendete Abwärme ineffizienter Kraftwerke in deren Leistung mit hinein. Kohle und Atomkraft erscheinen so unverzichtbar. Wir sagen: Schluss mit der Energieverschwendung. Bei der Stromerzeugung muss künftig auch die Abwärme genutzt werden. (auch die Müllverbrennungsanlage in Lahe nutzt nur die Energie zur Stromerzeugung!)

Auch die von den Energiekonzernen an die Wand gemalte Stromlücke ist ein billiges Ablenkungsmanöver und dient nur zur Durchsetzung ihrer Konzerninteressen. Fakt ist: Deutschland exportiert Strom und Deutschland ist künftig in der Lage, die Stromversorgung mit Atomausstieg und ohne neue Kohlekraftwerke zu sichern.

Klimaschutz nur ohne neue Kohlekraftwerke

Viele Studien belegen: Mit neuen Braunkohletagebauen und Kohlekraftwerken würde Deutschland über Jahrzehnte hinweg das Klima anheizen. Kohle ist der mit Abstand CO2-trächtigste Energieträger. Dem Klima helfen wir, indem wir Altanlagen für eine begrenzte Zeit am Netz lassen und dann nach und nach abschalten - während wir die sauberen Energieträger ausbauen. Neue Kohlekraftwerke schaden dem Klima, selbst wenn sie sauberer sind, als die heute üblichen. Denn einmal gebaut, bleiben neue Kohlekraftwerke fünfzig Jahre am Netz. Und ob die von der Energielobby versprochene CO2-Abscheidung jemals genutzt werden kann, steht in den Sternen. Für ein zukunftsfähiges Energiekonzept für Deutschland kommt sie auf jeden Fall zu spät.

Diese Hypothek dürfen wir künftigen Generationen nicht aufbürden. Kohle können wir uns in Zukunft nicht mehr leisten. Wenn die Stromerzeuger ihre Emissionsrechte für Kohlendioxid ab 2013 europaweit kaufen müssen, werden die Kohlekraftwerke mit ihrer enormen CO2-Fracht schlicht zu teuer.

Klimaschutz nur ohne Atomenergie

Atomenergie ist nicht nur lebensgefährlich und teuer, für das Problem der Terrorgefahren gibt es ebenso keine Lösung wie für die Endlagerung des strahlenden Atommülls. Auch Atomkraft als wirksames Mittel gegen den Klimakollaps ist eine gefährliche Illusion. Atomkraftwerke tragen weltweit gerade einmal zu 2,5% zur Deckung des Energiebedarfs bei. Tendenz: Rapide sinkend! Wenn man in Deutschland die CO2-Emissionen durch Atomkraft senken wollte, müsste man über 50 neue AKW bauen. Völlig irrwitzig!

Auch Atomstrom verursacht erhebliche Mengen CO2, vor allem durch den energieintensiven Abbau von Uran. Die Klimabilanz verschlechtert sich noch, da Atomkraft keine nutzbare Wärme liefert, so dass zusätzlich CO2-emittierende Heizungen betrieben werden müssen. Ein Strom- und Wärme lieferndes Gas-Heizkraftwerk belastet das Klima weit weniger als ein Atomkraftwerk, von der fast CO2-neutralen Energieproduktion der Erneuerbaren Energien ganz zu schweigen.

Und: Wenn die Atomkraftwerke länger laufen, behindern sie dringend notwendige Investitionen in moderne Technologien und erneuerbare Energien, weil es für die Energiekonzerne attraktiver ist, Milliardengewinne mit alter, abgeschriebener Technologie zu machen, als in neue zu investieren.

Unterstützen auch Sie daher die Kampagne gegen den Ausstieg aus den Ausstieg und für die Abschaltung der AKWs:www.campact.de/atom2/sn3/signer
Sichere Energieversorgung mit den drei E's

Unser Energiekonzept umfasst die wichtigen Sektoren: Strom, Wärme und Verkehr. Bei allen liegt die Zukunft in den drei großen E's: Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Energieeinsparung. Die Energiewende - beim Strom bereits eingeleitet - muss auch auf dem Wärmemarkt und beim Verkehr Platz greifen. Mit gezielten Forschungs- und Bildungsoffensiven wollen wir für die notwendigen Innovationen sorgen. Zusätzliche Möglichkeiten zum Klimaschutz bieten sich in der Landwirtschaft und der Waldpolitik. Dafür werden wir gesonderte Konzepte vorlegen.

Isernhagener Grüne unterstützen lokale Initiativen für erneuerbare dezentrale Energien: www.solarlokal-kirchhorst.de/

Das grüne Energieprogramm verbindet Versorgungssicherheit und Klimaschutz. Wie kann eine zuverlässige Energieversorgung gewährleistet werden? Eine Antwort auf diese Frage findet man nicht in - längst zur Neige gehenden - Erdöl- und Erdgasfeldern, Kohle- oder Urangruben. Auch der Anspruch an eine sichere Versorgung führt unweigerlich zum sparsamen und effizienten Einsatz erneuerbarer Energien.

Wir stellen die Weichen für einen schnellen Umbau. Einige Maßnahmen werden unsere Erwartungen übertreffen, andere entfalten ihr Potenzial womöglich erst nach 2020. Aber 40 Prozent CO2-Reduktion sind ein realistisches Ziel. Die Rahmenbedingungen müssen allerdings schnell geschaffen werden. Dazu muss Klimaschutz eine Querschnittsaufgabe werden. Und er verlangt politische Führung. Anders als die Bundesregierung, die nur große Worte macht und im Konfliktfall immer die Interessen der Energie- und Autolobby vertritt, machen wir konkrete Maßnahmenvorschläge, wie die notwendigen Klimaziele zu erreichen sind.

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