Heiße Diskussion um den Müll

10.10.2007 - Ein voll besetzter kleiner Ratssaal erwartete am Montagabend zwei Expertinnen zum Thema: " Müll trennen - verbrennen oder was?" Die Schlagzeile machte viele Bürgerinnen und Bürger aus Isernhagen neugierig. Sie wollten wissen, was passiert eigentlich mit ihrem getrennten Müll. Ist das Trennen überhaupt notwendig oder geht doch alles in den "Ofen"?

Der Vortrag von

Frau Kornelia Hülter, Geschäftsführerin der "aha" ( Abfallwirtschaft der Region Hannover) gab Einblicke in die unterschiedlichen Verfahren von Kompostbereitung über die Behandlung des Restabfalls in der MBA ( Mechanisch- Biologische-Aufbereitungsanlage/ so genannte Kalte Rotte) bis zum Verbleib der brennbaren Reststoffe, die per Vertrag der privatwirtschaftlich betriebenen MVA (Müllverbrennungsanlage) angeliefert werden. Die MVA gehört also nicht zum Verantwortungsbereich von aha. (detaillierte Infos im Anhang)

Podium

Moderiert wurde der Vortagsabend von dem Landtagskandidaten der Bündnis90/die Grünen Herrn Michael Horn aus Langenhagen.

Als Regionsabgeordnete und Mitglied des Aufsichtsgremiums von "aha" brachte sich Frau Dr. Annemarie Schacherer aus Langenhagen mit besondere Sachkunde ein. Sie referierte aus der Sicht der GRÜNEN über die Zielvorstellung eines optimalen Rohstoffkreislaufs und den Weg dort hin. D.h. man will schon auf die Produktherstellung Einfluss nehmen, um am Ende die durch Demontage sortenrein wiedergewonnenen Rohstoffe erneut im Produktionsprozess verwerten zu können. Das heißt, Müll soll gar nicht entstehen. Überrascht stellten die Zuhörerinnen und Zuhörer fest, dass in diesem Szenario GRÜNE und Abfallwirtschaft aha übereinstimmen.

Frau Hülter trug "mit Stolz" vor, dass in der Region Hannover das jährliche Müllaufkommen pro Kopf in den Haushalten

Müllaufkommen sinkt

seit dem Jahr 2000 kontinuierlich zurückgegangen ist, während es bundesweit gleich bleibt. Sie führt dies u.a. auf die Beratungstätigkeit von aha - durch gut geschulte FachberaterInnen - in Schulen, Kitas,Vereinen, Verbänden und nicht zuletzt in Großwohneinheiten und privaten Haushalten zurück. Das Ziel soll Abfallvermeidung und richtige Trennung sein. Sie stellte heraus, wie wichtig die Abfallwirtschaft in "kommunaler Hand" sei, da diese das Interesse hätte Rohstoffe zu schonen und Müll zu vermeiden, auch wenn wenn es nicht immer wirtschaftlich sei. Ein durchaus umweltgerechter Umgang mit unseren Ressourcen.

Kritische Fragen und Feststellungen der Zuhörerinnen und Zuhörer wurden von den beiden Vortragenden sach- und fachgerecht beantwortet. Seitens des Publikums wurden Zukunftsvisionen entwickelt, die Verbrennung von Müll möglichst überflüssig machen. Ferner wurde von allen Beteiligten im Raum bedauert, dass das durch die Vergärung in der MBA entstehende Methangas nur zur Herstellung von Strom und nicht auch noch zur Wärmenutzung (Wärmekraftkopplung) genutzt wird. Eine interessante Alternative, wäre die Einspeisung in das Gasnetz. Diesen Vorschlag will Frau Dr. Schacherer auf Regionsebene prüfen lassen.

Die größten Sorgen machen den Isernhagenern die schon jetzt veralteten Filteranlagen "unserer" neuen MVA, deren Abluft eine große Gefahr für die Atemluft, vor allem beim Versagen der Anlage ist. Für Frau Hülter war dies nicht das Thema, da ihrer Ansicht nach die Werte weit unter den gesetzlichen Vorschriften der 17. BImSchV lägen. An diesem Exkurs der Diskussion (eigentlich nicht Thema des Abends) hatte Michael Horn mit seiner konsequenten Moderation viel zu tun, um die auf brausenden Wogen im Publikums zu glätten.

Ebenfalls kontrovers diskutiert wurden auch die Nachrichten um die Verbrennung von Turnschuhplagiaten der Fa. Nike und die "Entsorgung" der asbesthaltigen Schlämme einer Firma aus dem Bereich Wunstorf. Im Gegensatz zu den gut informierten Zuhörern begrüßte Frau Hülter die Turnschuhverbrennung zur Heizwertsteigerung, da die vertragsgemäße Vereinbarung des Heizwertes von Müll mit der MVA eingehalten werden müsse. Dem wurde entgegengehalten, dass durch diese Verträge dem Mülltourismus aus aller Welt Tor und Tür geöffnet werde und die Bemühungen zur Müllvermeidung überflüssig mache. Zu Umlagerung von Asbestschlamm sei zur Zeit weder in der Regionsversammlung noch bei der aha eine Entscheidung getroffen worden, da dieser Umlagerung nach Lahe vorher ein Planfeststellungsverfahren einhergehen müsse, versicherten beide Referentinnen.(siehe)

Ein informativer Abend der sicherlich in großen Teilen der Aufklärung diente. Danke an die beiden Vortragenden, an den Moderator und nicht zuletzt an die sehr interessierte, hochmotivierte Zuhörerschaft. HL NB: Frau Hülter hat uns freundlicher Weise die Bilder ihres Vortrages zur Verfügung gestellt(s. Anhang)

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