Kein Wasserkraftwerk in der Döhrener Masch: Eine verpasste Chance

06.01.2004 -

In der dritten Januarwoche beginnt die Stadt Hannover mit den Arbeiten für ein neues Leinewehr in der Döhrener Wolle. Durch den Neubau wird das Duve-Wehr von 1667 mit seinen Anbauten komplett ersetzt, da diese fast völlig zerstört sind. Um den Neubau der Wehranlage gab es in den vergangenen Jahren heftige Diskussionen. Für einen Neubau, welchen Stadt, Region und Land zu gleichen Teilen tragen müssten, fehlte es an Geld. Man wollte das Problem dadurch lösen, indem man einen privaten Investor suchte, der neben dem Sperrwerk ein Wasserkraftwerk baut und betreibt. Die Stadt hätte mit einem solchen Kraftwerk gleich drei Probleme auf einem Schlag gelöst: eine Kostenreduzierung beim Bau der Wehranlage, die Steigerung des Anteils von Ökostrom im Stadtgebiet und die Übertragung der Unterhaltskosten auf den Kraftwerksbetreiber.

In der Vergangenheit gab es nur Investoren, die für den Kraftwerkbau die Stauhöhe des Leinewehrs um einen halben Meter erhöhen wollten. Gegen eine solche Erhöhung machten aber die Anwohner des Leinewehrs mobil, da sie im Falle eines Hochwassers, Schäden in ihren Wohnungen befürchteten. Aufgrund der Anwohnerproteste haben alle Investoren das Interesse an dem Projekt Wasserkraft in Döhren verloren.

Quasi kurz vor Toresschluss, hat die Stadt dann doch noch einen passenden Investor gefunden. Ein Maschinenbauprofessor aus Rosdorf bei Göttingen, plante den Bau eines Wasserkraftwerks mit einer erheblich kleineren Leistung von nur 200 Kilowatt. Eine solche Anlage würde nicht sofort wirtschaftlich arbeiten, aber es wäre auch keine Erhöhung der Staustufe notwendig gewesen. "Mich interessiert die Technik, die Investition wird sich eher langfristig rechnen", sagte er. Auf der Bezirksratsitzung am 11. Dezember wurde das Projekt dem Bezirksrat und der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. Es wurde klargestellt, dass es durch das Kraftwerk zu keiner Erhöhung der Stauhöhe, zu keiner Lärm oder Schwingungsbelastung, und zu keiner Verschmutzung durch sich anstauenden Unrat kommen würde. Auch wäre der schöne Ausblick auf die Maschauen nicht verbaut worden, da das Kraftwerk nur die Abmaße einer kleinen Garage hätte und an dem Ort gebaut werden sollte, an dem schon jetzt die alten Wehranlagen stehen. In der anschließenden Fragestunde meldeten sich Anwohner zu Wort, die Ihre Redebeiträge mit den Worten: "Wir sind gegen eine Erhöhung der Staustufe und wir werden rechtliche Schritte gegen den Kraftwerksbau einlegen", begannen. Welche Argumente nach der neuen Sachlage noch gegen den Bau sprachen, ging aus den Redebeiträgen leider nicht eindeutig hervor. Alle anwesenden Anlieger änderten aber ihre Meinung nach einem persönlichen Gespräch mit dem Investor, welches nach der Bezirksratssitzung stattfand. In dem Gespräch wurden alle Fragen, Kritikpunkte und Wünsche diskutiert und so manches Missverständnis aus der Welt geräumt.

Trotzdem verstummten in der Folgezeit die Anliegerproteste nicht. Nun sah sich der Investor gezwungen die Notbremse zu ziehen und ist als Betreiber einer Wasserkraftanlage abgesprungen. Aus seiner Enttäuschung macht er keinen Hehl: "Durch das Verhalten der Beteiligten erscheint die Investition als unkalkulierbares Risiko", betont er. (HAZ, 24.Dezember 2003). Durch die Absage des Investors bleiben Stadt, Region und das Land auf den hohen Bau- und Unterhaltungskosten sitzen. Dies ist besonders in Zeiten leerer Kassen, in denen Kindertagesstätten und Stadtteilbibliotheken geschlossen werden, nur schwer zu verkraften. Dieses Wasserkraftwerk wäre eine der wenigen Möglichkeiten im Stadtgebiet gewesen, auf ökologische Weise Strom zu produzieren. Mit diesem Wasserkraftwerk wäre die Globale Erwärmung sicherlich nicht gestoppt worden, aber wir hätten unseren Kindern stolz erzählen können, dass auch wir Döhrener ein kleinen Beitrag dazu leisten. Martin Knöß, Stadtteilgruppe Döhren-Wülfel von Bündnis 90/ Die Grünen

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