Erstellung eines Interkulturellen Handlungsprogramms für die Stadt Hannover

18.11.2004 -

Die Verwaltung wird beauftragt, bis zum Sommer 2005 ein Interkulturelles Handlungsprogramm zu erarbeiten und dem Rat vorzulegen.

Grundlegende Ziele des Handlungskonzeptes sind die Erarbeitung von Integrationsleitlinien für die Stadtgesellschaft und daraus zu entwickelnde Maßnahmen, sowie eine verstärkte interkulturelle Öffnung der Verwaltung.

Hierzu sind im Zuge der Konkretisierung Konzeptbausteine vor allem zu folgenden Schwerpunkten zu erstellen:

1. Förderung der Sprachkompetenz in der Erst- und Zweitsprache/Nutzung mehrsprachiger Potenziale der Zugewanderten; 2. Stärkung der interkulturellen Kompetenz innerhalb der Verwaltung und verbesserter Zugang von MigrantInnen zur Verwaltung und zu städtischen Einrichtungen; 3. Förderung der Nachbarschaft und des interkulturellen Verständnisses von MigrantInnen unterschiedlicher Herkunft und Einheimischen insbesondere in den Stadtteilen; für Kinder und Jugendliche sind interkulturelle Partnerschaften der Verantwortung anzustreben; 4. Konfliktprävention; 5. Förderung der Ausbildung und Qualifizierung junger MigrantInnen; 6. Erschließung weiterer Potenziale von MigrantInnen als Wirtschaftsfaktor und ArbeitgeberInnen; 7. Berücksichtigung interkultureller Schwerpunkte bei allen sozialen Dienstleistungen ( u.a. kultursensible Altenarbeit und -pflege).

Die Stadtgesellschaft und ihre in der interkulturellen Arbeit erfahrenen Initiativen und Einrichtungen sowie die in der Stadt aktiven Selbsthilfeorganisationen von MigrantInnen sind in die Erarbeitung und Fortschreibung des Handlungskonzeptes aktiv einzubeziehen.

Im Rahmen der Konzepterstellung sind jeweils zu den o. g. Schwerpunkten bereits bestehende Umsetzungsmaßnahmen und Erfolge darzustellen sowie konkrete Handlungsziele und Handlungsempfehlungen mit Kostenfolgen zu entwickeln. Dies schließt angesichts der schwierigen Haushaltssituation Vorschläge für eine Priorisierung von Maßnahmen ein.

Die Umsetzung des Handlungskonzeptes ist durch ein geeignetes Controlling zu begleiten.

Begründung:

In Hannover leben Menschen aus mehr als 170 Ethnien, insgesamt haben rund 100.000 Menschen in Hannover (also rund ein Fünftel der Bevölkerung) einen Migrationshintergrund. Im demographischen Wandlungsprozess wird dieser Anteil weiter steigen.

Die Stadtgesellschaft ist also bereits heute durch eine breite kulturelle, sprachliche und religiöse Vielfalt gekennzeichnet. Dies ist Bereicherung und Herausforderung zu gleich.

Stadtpolitisch ist es daher dringend erforderlich, sich mit der interkulturellen Vielfalt in Hannover bewusst und aktiv auseinanderzusetzen. Ziel muss es sein, Abgrenzungen und Ausgrenzungen von MigrantInnen oder Migrantengruppen zu vermeiden bzw. abzubauen, die Integration der Zugewanderten in die Stadtgesellschaft zu fördern und ihnen soziale Teilhabe und Chancengleichheit zu ermöglichen. Integration kann dabei nur gelingen, wenn Zugewanderte und Einheimische offen sind und aufeinander zugehen.

Um diese Ziele zu erreichen und auch den absehbaren demographischen Veränderungen Rechnung zu tragen ist zeitnah ein interkulturelles Handlungskonzept zu erstellen. Dabei gilt es auch, die Potenziale und Ressourcen, die sich aus der Zuwanderungssituation ergeben und die derzeit nicht hinreichend genutzt werden, zu erkennen und für eine positive Stadtentwicklung zu nutzen.

Auch der "Runde Tisch für ein interkulturelles Hannover gegen Rassismus, Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeit" hat den im Rat vertretenen Fraktionen zwei Arbeitspapiere ("Positionspapier" und "Eckdatenpapier") zur Diskussion vorgelegt. Beide Papiere weisen auf die Notwendigkeit der Erstellung eines interkulturellen Handlungskonzeptes für die Stadt Hannover hin und enthalten Hinweise auf mögliche Handlungsschritte zur Realisierung.

Es soll ein Handlungskonzept erstellt werden, das sich nicht mit Gesten erweiterter Offenheit gegenüber Zugewanderten begnügt, sondern konkrete interkulturelle Maßnahmen und auch eine Überprüfung etablierter Werte, Verfahrensweisen und Normen in den Blick nimmt.

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