Verden ist bunt!

05.04.2005 - Am Samstag, den 2. April marschierten Neonazis der NPD und der Jungen Nationalen durch Verden. Dagegen organisierte das SchülerInnenbündnis KONTrassT eine Gegendemonstration, an der auch mehr als zwanzig Mitglieder der bGrünen Jugend Hannover(GJH)/b und Lüneburg teilnahmen.

Nazidemo

Seit längerer Zeit versuchen die NPD und die ihnen angeschlossenen jungen Kameradschaften in Verden und in Umgebung Fuß zu fassen. Rund um von dem bekannten Rechtsradikalen Jürgen Rieger vom Bund abgekauften "Heisenhof", wo ein Schulungszentrum für neonazistische Kader entstehen soll, formieren sich aktiv Neofaschisten. Vermehrt SchülerInnen werden von ihnen mit rassistischen CDs und Flyern, die sie vor Schulen verteilen, belästigt. Ein Journalist, der dies fotografieren wollte, wurde von einem Nazi mit dem Auto angefahren. Antifaschistische Gruppen werden eingeschüchtert, bedroht und auch gewaltsam überfallen.

Die Mitglieder der GJH folgten dem Aufruf der Organistoren/Innen der Gegendemo und brachen morgens um zehn Uhr mit der Bahn in Hannover auf, wobei sie in Verden extra von der Polizei in einen speziellen Wagen eingewiesen wurden. Dieses entpuppte sich als nicht besonders sinnvoll, da nach ein paar Stationen circa fünfzig bullige, größtenteils glatzköpfige Nazis diesen Wagen bestiegen. Das hatte die Polizei geschickt eingefädelt. Zwanzig AntifaschistInnen gegen fünfzig FaschistInnen. Zum Glück blieben beide Gruppen auf Distanz, circa zwei Meter, und es kam zu keiner gewalttätigen Auseinandersetzung.

An der Gegendemonstration nahmen bei strahlendem Sonnenschein mehr als 1000 Menschen teil. Sie klärten während des Umzuges über die üblen Machenschaften der NPD in der Region auf und entlarvten ihre menschenverachtende Ideologie und machten zugleich deutlich, dass sich der antifaschistische Widerstand nicht spalten lassen wird.

Im Anschluss an die Demo fand in der Innenstadt von Verden ein Aktionstag mit dem Motto "Verden ist bunt" statt, an dem sich viele gesellschaftliche Organisationen, wie die Kirchen, der DGB oder die örtlichen PfadfinderInnen des BdP, mit kreativen Veranstaltungen beteiligten. Mehr als 5000 Menschen zeigten in der Innenstadt den Faschisten, dass sie in Verden nichts zu suchen haben.

Dagegen kläglich wenig war die Anzahl von 180 Neonazis, die durch den Norden von Verden marschierten. Von Zeit zu Zeit grölten sie ihren stumpfsinnigen Parolen, wie " Hoch die nationale Solidarität". Ein Gegendemonstrant rief ihnen treffend zu: " Der Kampf um Befreiung ist nicht national. Geht nach Hause, lest das Kapital." Mehreren Mitgliedern der GJH gelang es an die Strecke des Naziaufmarsches zu gelangen und lautstark eine Zwischenkundgebung der NPD zu stören. Mit Slogans wie " Nie wieder Deutschland" oder " Für die Freiheit, für das Leben- Nazis von der Straße fegen!", übertönten sie teilweise die stumm bleibenden Nazis und stießen erkennbar auch auf Sympathie seitens der Polizei.

Rassistische Einstellungen sind nicht nur bei Nazis anzutreffen, sondern kommen oft aus der Mitte der Gesellschaft. GJH-Aktivist Sven Kindler weist den etablierten Parteien für die ausländerfeindliche Stimmung in Deutschland eine erhebliche Mitschuld zu: "Rechtspopulistische Aussagen wie "das Boot ist voll", "die Juden sind ein Tätervolk" oder " der deutsche Weg" aus Reihen von SPD und Union schüren nur fremdenfeindliche, nationalistische Vorurteile. So werden Themen der NPD gesellschaftlich rein gewaschen. Ein aktuell besonders erschreckendes Beispiel dafür ist die Kooperation der Jungen Union NRW mit der rechtsextremen Organisation "Pro Köln" bezüglich eines Infoabends. Gerade bei unserer schrecklichen Vergangenheit sollte jeder Mensch, besonders die in der Öffentlichkeit stehenden PolitikerInnen, in Deutschland aktiv rassistischen Vorurteilen entgegentreten, sei es nun auf der Arbeitsstelle, im Sportverein, im eigenen Familien- und Freundeskreis, oder eben im deutschen Bundestag."

Informationen zur aktuellen Rechtsextremismuskampagne des GRÜNE JUGEND Bundesverbandes sind unter dieser Adresse zu finden www.gruene-jugend.de/aktuelles/rechtsextrem/index.html.


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